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Am Dienstag, 13. Oktober 2026 fand die diesjährige Bürgerversammlung der Gemeinde Großenseebach in der Mehrzweckhalle statt. Es nahmen ca. 60 Bürgerinnen und Bürger an der Veranstaltung teil, zu der über das Mitteilungsblatt der VG, die gemeindliche Homepage, die Bürger-App und Social Media auf allen gemeindlichen Kanälen eingeladen worden war.
Um 18 Uhr eröffnete Bürgermeister Jürgen Jäkel die Bürgerversammlung und begrüßte die anwesenden Bürgerinnen und Bürger, die Zweiten Bürgermeisterin Julia Klöhn sowie die Mitarbeiter der Verwaltung. Besonders begrüßte er auch den Gastredner Sven Schuller vom Institut für Energietechnik (IfE) in Amberg, der später in der Sitzung die Ergebnisse der Kommunalen Wärmeplanung vorstellte.


Als ersten Tagesordnungspunkt gab Bürgermeister Jürgen Jäkel traditionell einen Überblick über statistische Daten aus der Gemeinde, etwa die Entwicklung der Einwohnerzahlen durch Geburten und Sterbefälle sowie deren Altersstruktur und Nationalitäten und auch Entwicklung der Bauanträge in der Gemeinde.
Bei der Altersstruktur folgt auch Großenseebach dem demografischen Wandel. Der Anteil der Älteren in der Bevölkerung steigt. Inzwischen sind knapp 24 Prozent der Einwohner älter als 66 Jahre. Die Jugend (bis 18 Jahre) stellt 19 Prozent der Einwohner und die Mehrheit unserer Bürgerinnen und Bürger (57 Prozent) sind zwischen 19 und 65 Jahre alt.
Außerdem informierte der Bürgermeister über die Betreuungszahlen in Kita und Schule (Mittagsbetreuung bzw. nun die OGTS) informiert. Dort werden insgesamt 116 Kinder (Kita/Krippe) bzw. 108 der 114 Grundschülerinnen und -schüler nach dem Unterricht in der OGTS betreut.
Alle Bildschirm-Präsentationen, die im Rahmen der Bürgerversammlung in der Mehrzweckhalle gezeigt wurden (Statistiken, Finanzbericht, Wärmeplanung und ESC), finden Sie unter dem Artikel als PDF-Dokumente.

Beim nächsten Tagesordnungspunkt gab Verwaltungsmitarbeiterin Silke Lang einen Überblick über die Finanzen der Gemeinde. In ihrem Finanzbericht wies die Kämmerin darauf hin, dass es sich beim Haushaltplan 2026 um einen Rekordhaushalt handele. Das Gesamtvolumen beläuft sich auf über 12,1 Millionen Euro, aufgeteilt auf den Verwaltungshaushalt mit 7,72 Mio. Euro und den Vermögenshaushalt mit 4,41 Mio. Euro – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr (knapp 9,8 Mio. Euro gesamt).
Die größten Ausgaben entfallen auf die Personalkosten (2,625 Mio. Euro), die Kreisumlage (1,749 Mio. Euro) und die Betriebskostenförderung für die Kita (1,1 Mio. Euro). Die Kreisumlage ist dabei seit 2018 im Schnitt um rund 7 % pro Jahr gestiegen und hat sich seitdem von 1,143 Mio. auf 1,748 Mio. Euro erhöht. Auf der Einnahmenseite sind die wichtigsten Posten die Einkommensteuer (2,534 Mio. Euro), die kinderbezogene Förderung nach dem BayKiBiG (1,7 Mio. Euro) und die Gewerbesteuer (0,56 Mio. Euro).
Die Gemeinde Großenseebach ist weiterhin schuldenfrei. Der Rücklagenstand betrug zum 31.12.2025 rund 4,29 Millionen Euro. Für das Jahr 2026 ist jedoch eine Rücklagenentnahme von knapp 3,78 Millionen Euro geplant, um die umfangreichen Investitionen des Vermögenshaushaltes stemmen zu können – allen voran den Grundstückskauf für die Wohnbebauung (1,155 Mio. Euro), Investitionszuweisungen an den Abwasserverband (334.200 Euro), die Planung und den Baubeginn der OGTS (350.000 Euro) sowie Sanierungsmaßnahmen. Trotz dieser Entnahmen wird nach aktueller Planung zum Jahresende noch eine Rücklage von voraussichtlich rund 500.000 Euro bestehen. Mittel- und langfristig wird die Gemeinde für die anstehenden Großprojekte – insbesondere den Bau der OGTS, die Sanierung der Abwasseranlagen und das neue Feuerwehrgerätehaus – jedoch Kredite aufnehmen müssen.
Die vollständige Präsentation zum Finanzbericht steht als PDF-Datei unter diesem Artikel zum Download bereit.

Als dritten Tagesordnungspunkt stellte Gastredner Sven Schuller vom Institut für Energietechnik IfE GmbH aus Amberg die Ergebnisse der Kommunalen Wärmeplanung (kWP) für die Gemeinde Großenseebach vor. Der Gemeinderat hatte den Abschlussbericht bereits in seiner Sitzung vom 23. Juli 2026 verabschiedet.
Was ist eine Kommunale Wärmeplanung?
Jede Gemeinde in Bayern ist verpflichtet, eine solche Planung zu erstellen. Sie ist kein einmaliges Projekt, sondern ein langfristiger Prozess, der alle fünf Jahre aktualisiert wird. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Wärmeversorgung vor Ort bis zum Jahr 2045 klimaneutral gestaltet werden kann – durch Einsparungen, erneuerbare Energien und neue Versorgungsstrukturen. Wichtig zu verstehen: Die Wärmeplanung gibt keine Garantien für den Bau bestimmter Leitungen oder Netze und legt auch keine festen Preise fest. Sie ist ein strategischer Rahmen – was daraus folgt, hängt von konkreten Planungen, Investoren und politischen Entscheidungen ab.
Wie heizen wir heute?

Im Rahmen der Wärmeplanung wurde für alle rund 796 beheizten Gebäude in Großenseebach der Wärmebedarf erhoben. Ergänzend wurde eine Fragebogenaktion durchgeführt, an der sich 247 Haushalte (ca. 31 %) beteiligten. Das Ergebnis ist eindeutig: Rund 72 % der Wärme werden heute mit Heizöl erzeugt – das entspricht einem Jahresverbrauch von ca. 20,6 Millionen Kilowattstunden, also rund 2 Millionen Liter Heizöl bzw. 102 Tanklastzügen pro Jahr. Durchschnittlich verbraucht jedes Wohngebäude in Großenseebach rund 21.700 kWh Wärme pro Jahr – ungefähr 2.200 Liter Heizöl. Von den befragten Haushalten zeigten 157 (42 %) grundsätzliches Interesse an einem künftigen Anschluss an ein Wärmenetz.
Welche erneuerbaren Energien gibt es vor Ort?
Die Analyse zeigt, dass Geothermie (Erdwärmesonden und -kollektoren) im gesamten Gemeindegebiet grundsätzlich möglich ist – rund 40 Anlagen sind bereits in Betrieb. Auch Grundwasserwärmepumpen sind im gesamten Siedlungsgebiet nutzbar, jeweils nach Einzelfallprüfung. Großes Potenzial besteht außerdem bei Photovoltaik: Bisher sind erst rund 33 % der möglichen Dachflächen genutzt; das verbleibende Potenzial beträgt noch rund 7,7 Gigawattstunden pro Jahr. Hinzu kommt eine geplante Freiflächenphotovoltaik-Anlage mit Stromspeicher im östlichen Gemeindegebiet. Wenig Potenzial bieten dagegen der Seebach (zu geringer Wasserfluss) und die umliegenden Teiche. Windkraft ist im Gemeindegebiet nach aktuellem Regionalplan nicht möglich.

Wie soll die Versorgung 2045 aussehen?
Den größten Teil der Gemeinde sieht die Planung langfristig weiterhin in der dezentralen Einzelversorgung – das bedeutet, jedes Haus sorgt selbst für seine Heizung, idealerweise mit einer Wärmepumpe, Solarthermie oder Biomasse statt Heizöl. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Bereich rund um die Gartenstraße und den Bebauungsplan Nr. 3: Dort bündeln sich Gemeindeliegenschaften (Schule, Bücherei, Sporthalle), Kirchengebäude und die Reihenhaussiedlung. Dieser Bereich ist als sogenanntes Prüfgebiet eingestuft, in dem eine gemeinsame Wärmeversorgung über ein lokales Wärmenetz mit einer zentralen Heizzentrale geprüft werden soll. Als Energiequellen kämen dort vor allem Großwärmepumpen, Solarthermie, Photovoltaik und ergänzend Biomasse in Frage. Betreiber und genaue Umsetzung sind noch offen.
Wenn alle Maßnahmen umgesetzt werden, könnten die Treibhausgasemissionen der Gemeinde bei der Wärmeversorgung bis 2045 um bis zu 97 % sinken – von derzeit rund 5.160 Tonnen pro Jahr auf nur noch rund 140 Tonnen.
Als nächste Schritte empfahl das IfE, Sanierungsziele für Gebäude festzulegen und ggf. ein Konzept für die klimaneutrale Versorgung der gemeindlichen Liegenschaften zu erarbeiten.
Die vollständige Präsentation zur Kommunalen Wärmeplanung steht als PDF unter diesem Artikel zum Download bereit.
Weitere Informationen zur Wärmeplanung finden Sie auch auf der gemeindlichen Webseite unter www.grossenseebach.de/waermeplan.
Als vierten und letzten Tagesordnungspunkt stellte der Energiewendeverein ER(H)langen e.V., Ortsgruppe Seebachgrund, das Projekt einer sogenannten „Energy Sharing Community” (ESC) vor.
Was ist eine Energy Sharing Community?
Eine ESC ist eine Gruppe von Menschen, die sich zusammenfinden, um sich gegenseitig mit selbst erzeugtem Strom aus Photovoltaik- oder anderen Erneuerbare-Energien-Anlagen zu versorgen – und das ganz normal über das öffentliche Stromnetz. Der Grundgedanke ist einfach: „Strom von uns für uns.” Wer eine PV-Anlage hat und mehr Strom erzeugt als er selbst braucht, speist diesen Überschuss in die Gemeinschaft ein. Wer keinen eigenen Strom erzeugt, bezieht ihn günstiger aus der Gemeinschaft, als er ihn vom herkömmlichen Energieversorger kaufen würde.
Es gibt drei Arten von Teilnehmenden: Consumer (reine Verbraucher ohne eigene Anlage), Prosumer (Verbraucher mit eigener PV-Anlage, die ihren Überschuss einspeisen) und Producer (reine Erzeuger, die ausschließlich Strom in die Gemeinschaft einspeisen). Damit alles reibungslos funktioniert, beauftragt die ESC einen professionellen Dienstleister – den sogenannten Bilanzkreisbildner und Direktvermarkter – der Verträge abschließt, Erzeugung und Verbrauch im 15-Minuten-Takt bilanziert, Überschüsse verkauft und bei Bedarf günstig Windstrom zukauft.

Was hat das Projekt bisher erreicht?
Seit dem zweiten Quartal 2026 arbeitet eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern des Energiewendevereins und der Bürgerenergiegenossenschaft EWERG eG, unterstützt von Bürgermeister Jürgen Jäkel an der Umsetzung. In einer kurzfristigen Interessenabfrage konnten bereits 52 Pilotteilnehmer gewonnen werden, deren Verbrauchs- und Erzeugungsdaten für eine erste Preisberechnung genutzt wurden. Das Ergebnis ist vielversprechend: Der simulierte ESC-Tarif lag um rund 4,72 Cent pro Kilowattstunde günstiger als der aktuelle Marktbeschaffungswert für Strom. Der Brutto-Arbeitspreis beträgt in der Simulation rund 29,75 Cent pro Kilowattstunde, der monatliche Grundpreis ca. 15,66 Euro.
Wie geht es weiter?
Noch im vierten Quartal 2026 soll der bevorzugte Dienstleister ausgewählt, ein ESC-Beirat gebildet und ein Flyer zur Mitgliedergewinnung erstellt werden. Der operative Start der ESC – also die echte gegenseitige Stromversorgung – ist für das erste Quartal 2027 geplant. Motto der Werbung: „Jeder Prosumer mit PV bringt drei Consumer ohne PV mit.” Mittelfristig ist auch die Beteiligung an einer Bürger-PV-Freiflächenanlage mit Energiespeicher denkbar.
Interessierte Bürgerinnen und Bürger konnten sich nach der Bürgerversammlung in ausliegende Listen eintragen, um per E-Mail über den weiteren Verlauf informiert zu werden.
Auch die vollständige Präsentation zur ESC steht als PDF-Datei unter diesem Artikel zum Download bereit.
Die Bürgerversammlung endete um 20:17 Uhr.
Großenseebach, 20.10.2026
Jürgen Jäkel
Erster Bürgermeister






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